Mitten im tiefsten Winter
habe ich schließlich gelernt,
dass es in mir
einen unbezwinglichen Sommer gibt.

                                                        Albert Camus



abschied

und ganz
behutsam
nehme ich
stein für stein
aus meinem
rucksack heraus
und mit einer träne
ziehe ich
meine wurzeln
zurück
und mit jedem stein
mit jeder träne
werde ich
leichter
und bereit
für den aufbruch
und doch
tut es
unsagbar
weh
                                                        Andrea Schwarz



Wir müssen lernen ..., daß es eigentlich nie und nimmer
darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten
haben, vielmehr lediglich darauf:
was das Leben von uns erwartet!

                                                        Viktor Emil Frankl



"Meine  Erkrankung braucht viel Raum -
und den gebe ich ihr auch.
Aber manchmal gehe ich in ein anderes, schöneres Zimmer
und mach die Tür zum Krankheitsraum zu.
Es muß ab und an krankheitsfreie Räume geben."

                                                        Patientin, nach 30 Jahren einer
                                                        schweren Autoimmunerkrankung



Die Welt, in der wir leben, ist unsere Welt.
Die Zeit, in der wir leben, ist unsere Zeit.
Das Leben, das wir in dieser Welt und dieser Zeit leben, ist unser Leben.
Diese unsere Welt in dieser unserer Zeit ist beides:
unsere Gefährdung und unsere Möglichkeit, zugleich unsere Aufgabe.
Diese Aufgabe können wir annehmen, wir können sie ablehnen.
Doch wenn wir sie ablehnen, verlieren wir alles, was wir haben.

                                                        Uwe Böschemeyer



Herzliches Bei-Leid

Beileid akzeptiert das Leiden,
Beileid gibt dem Mitmenschen Bedeutung und Wert,
Beileid verzichtet auf (Er-)Lösung;
Beileid traut dem anderen einen Umgang mit Leid zu.

                                                        Monika Müller



Du frierst; und viele werden sagen, es ist nicht kalt.
Du hast Angst; und viele werden sagen, hab nur Mut.
Du bist allein; und viele werden sagen: Jetzt keine Zeit.
Doch manchmal ist da jemand, der sagt:
Nimm meinen Mantel und meine Hand und lass mich Dich ein
Stück begleiten. Jetzt.

                                                        Angela Sattler



Wenn ich mir vorstelle, jemand würde mir sagen - Du hast noch ein Jahr lang zu leben - was würde ich dann tun?
Dann würde ich zu mir stehen, dann würde ich tun, was ich für wichtig und richtig halte. Es wäre mir einfach wichtiger und es würde sich dann schon ein Weg finden.
Leben im Angesicht des Todes. Schafft Klarheit und Entschlossenheit.
Leben im Angesicht des Lebens. Da müßte das doch auch klappen.

                                                        Christiane Jung



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Mit 80 sagen können, es war gut so, das ist Glück.

Mit 70 alle Lieben um sich haben können, das ist Glück.
Mit 60 eine Sache neu anfangen können, das ist Glück.
Mit 50 mit sich und der Welt im Einklang sein können,
das ist Glück.
Mit 40 zufrieden in der Mitte des Lebens stehen können,
das ist Glück.
Mit 30 einen Platz im Leben finden können, das ist Glück.
Mit 20 voller Tatendrang das Leben vor sich haben,
das ist Glück.
Mit 10 geliebt und gefördert werden, das ist Glück.
Am Anfang gewollt und geboren werden, das ist Glück.
Jahr für Jahr sagen können, es war gut so, wie es war,
das wäre mehr als Glück.


                                                        Christiane Bundschuh-Schramm



Segen

Der Herr segne dich.
Er erfülle deine Füße mit Tanz
und deine Arme mit Kraft.
Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit
und deine Augen mit Lachen.
Er erfülle deine Ohren mit Musik
und deine Nase mit Wohlgerüchen.
Er erfülle deinen Mund mit Jubel
und dein Herz mit Freude.
Er schenke dir immer neu
die Gnade der Wüste:
Stille, frisches Wasser
und neue Hoffnung.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft
der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Es segne dich der Herr.


                                                        aus Afrika




ZUM HEULEN

Wenn ich etwas zum Heulen finde
heule ich mich leer
Kummer schlucken macht mich wütend
und das Herz mir schwer

Wenn ich etwas zum Freuen finde
freue ich mich satt
und ich teile meine Freude
mit dem der keine hat

                                                        Kindergedicht



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PERSPEKTIVEN

An seinem Geburtstag
hat man zwei Möglichkeiten:
jammern und trauern über das Altwerden,
oder feiern,
was man bisher aus seinem Leben gemacht hat.
Wenn es irgendetwas zu feiern gibt,
dann den wunderbaren Umstand,
daß man lebt.

                                                        Paul Wilson



Wie lange ich lebe,
liegt nicht in meiner Macht,
daß ich aber,
solange ich lebe,
wirklich lebe,
das hängt von mir ab.

                                                        Seneca


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AUSGESETZT

schlecht brennt
das Feuer heute Abend

das Dunkel
ist irgendwie dunkler

der Job
irgendwie schwieriger

ich fühl
mich

unbehaust und
ungeborgen

verloren
heimatlos

und höre
fürchte dich nicht

und würde es
so gerne glauben

                                                        Andrea Schwarz



Heil-Sein, Heilung braucht Vertrauen. Vertrauen in die Selbstheilungskräfte unseres Körpers, Vertrauen auf die gesund-seins-fördernde Wirkung der Unterstützung durch andere. Ohne Vertrauen in das Wissen und Können meiner Ärzte hilft auch Medizin nicht.

                                                        Monika Fröschl



Du, Herr, gibst mir immer wieder
Augenblicke der Stille,
eine Atempause,
in der ich zu dir komme.
Du stellst mir Bilder vor die Seele,
die mich sammeln
und mir Gelassenheit geben:
Oft lässt du mir mühelos
etwas gelingen,
und es überrascht mich selbst,
wie zuversichtlich ich sein kann.
Ich merke,
wenn man sich dir anvertraut,
bleibt das Herz ruhig.

                                                        aus Japan



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Gottes Auge schaue auf Sie, jeden Tag und jede Nacht.
Gottes Ohr höre auf Sie, wenn Sie ihn rufen.
Gottes Wort spreche zu Ihnen; er tröste und stärke Sie.
Gottes Hand bewahre Sie vor allem Bösen.
Gottes Liebe halte Sie aufrecht.
Es segne Sie Gott der Vater
und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Gottfried Stritar,
Patiententag, 24.4.2010





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Achtsamkeit - Aufmerksamkeit

"Geh du vor," sagte die Seele zum Körper, "auf mich hört sie/er ja nicht!"


Überlegen Sie mal, was der Körper Ihnen im Lauf eines Lebens alles gibt
und was Sie Ihrem Körper geben!


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Wo die Stille mit dem Gedanken Gottes ist,
da ist nicht Unruhe noch Zerfahrenheit.

                                                        Franz von Assisi



Der Tod ist das Tor zum Licht
am Ende eines mühsam gewordenen Weges.

                                                        Franz von Assisi



Wintergarten

Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf
Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe
Schöne
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen
Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät
im Jahr

                                                        Erich Fried



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Hoffnung -
eine Tür
zu einem anderen Land

Hoffnung -
ein Gedicht
ein Lied
ein Gesicht

Hoffnung -
eine Hand in deiner Hand

Hoffnung -
eine leise Spur
die dir vorausgeht
                          nach Anna Steinwart


Hoffnung
ist nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit,
dass etwas Sinn hat,
egal wie es ausgeht.

                    Vaclav Havel




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Schön, daß es dich gibt

Manche Menschen wissen gar nicht,
wie wichtig es ist, daß sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es ist, sie einfach nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie ermutigend ihr Lächeln ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
daß sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüssten es,
würden wir es ihnen sagen.



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"Die Ziellosigkeit eines Nachmittags genießen"

                                                        Wolfgang Mende



Inseln der Stille


Wir brauchen

Inseln der Stille,

heilige Orte

zum Rückzug

von den Disharmonien der Welt,

um unsere ureigenen Töne

zum Klingen

und die uns noch

verborgenen Seiten

unserer Seelen

zum Schwingen zu bringen.

                             Christa Spilling-Nöker



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Unterwegs

Immer wieder anhalten,
wahrnehmen, was ist,
uns freuen, an dem, was wir erreicht haben,
annehmen, was nicht alles gelungen ist.
Uns Zeit gönnen,
neue Kräfte schöpfen,
uns leiten lassen von dem,
was für uns wesentlich ist.
Weiter schreiten, wie es mir entspricht,
in der Hoffnung, dass wir immer mehr werden,
was wir letztlich sein können.

                            Max Feigenwinter



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"Wenn du alles getan hast,

was du konntest,

wenn du alle Talente und

Fähigkeiten eingesetzt  und

den Menschen geschenkt hast,

dann leg' den Schlüssel vor die Tür

und gehe leise davon."



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In der Stille der Nacht

In der Stille der Nacht
wenn der Tag allmählich zur Ruhe kommt
wenn der Straßenlärm abebbt,
kein Telefon mehr klingelt
wenn sich jeder zurückzieht
wenn die Welt eine Atempause einlegt
wenn alles schweigt.

In der Stille der Nacht
da wird es manchmal schwer:
Schmerzen werden stärker
sorgenvolle Gedanken
werden belastender
Ängste werden bedrohlicher
die Einsamkeit wird quälender.

In der Stille der Nacht
höre Du, Gott, mein Gebet:
Öffne mein Ohr für die leisen Töne,
öffne meine Seele für die Wohltaten
und den Trost der Nacht.
Öffne mein Herz für deine Stimme
und deine Gegenwart.



Bleib du bei mir

Bleib du bei mir,
wenn diese Nacht
kein Ende nehmen will
und teile meine Angst
und meinen Schmerz
vor dieser schweren Stunde.

Bleib du bei mir,
wenn ich die letzte
Schwelle überschreite
und ich all jene Menschen,
die ich so sehr liebe,
endgültig nun verlassen muß.

                             Christa Spilling-Nöker



Morgen eines neuen Tages


Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns an ihm freuen!
(Ps 118)


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